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"Kleinste Fehler können mehrere Meter ausmachen, das macht alles sehr spannend."

Interview mit der Speerwerferin Linda Stahl

Im Sportiply Magazin erscheint jeden Freitag ein standardisiertes Interview mit einem Sportler bzw. einer Sportlerin.

Du erfährst hier mehr über die Persönlichkeit des Athleten und natürlich über seinen Sport! 

 

Heute stellen wir Dir die Speerwerferin Linda Stahl vor! 😊 

Sie holte die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 2012 in London und gewann bei Europameisterschaften sowohl Silber und Bronze als auch Gold!

2016 beendete sie ihre beeindruckende Karriere und arbeitet jetzt als Ärztin.

Im Interview berichtet uns Linda unter anderem von ihren Lieblings- und Hassübungen, welche Ziele sie momentan verfolgt und wie schwer es oft war, Karriere und ihren Sport unter einen Hut zu bringen.

Viel Spaß!


Deine große Leidenschaft war/ist die Leichtathletik, mit Spezialisierung auf den Speerwurf!
Wie lange machst Du das inzwischen und wie kamst Du dazu?

Ich hatte mit 14 Jahren zum ersten Mal einen Speer in der Hand, vorher habe ich auch Handball und Tennis gespielt. Das klappte direkt gut mit dem Wegwerfen des Speeres, deswegen habe ich mich, mehr oder weniger unbewusst, immer mehr darauf spezialisiert.
Als ich 18 war, wurde ich von Helge Zöllkau angesprochen, ob ich in seiner Trainingsgruppe in Leverkusen trainieren möchte, das war 2003. Seitdem habe ich das Speerwerfen professioneller betrieben.

 

Welchen Reiz hat die Disziplin Speerwurf für Dich?

Es ist eine Mischung aus vielen unterschiedlichen Fähigkeiten, die man mitbringen muss, um die Voraussetzung zu haben, den Speer weit werfen zu können. Ich bin relativ klein für eine Werferin und habe kurze Arme, das musste ich mit Schnelligkeit und Kraft ausgleichen.
Die Technik ist so kompliziert und komplex, da geht es um auf die Hundertstel Sekunde abgestimmte Bewegungen, die man immer wieder perfektionieren muss. Nur wenn körperliche Stärke und die dazu passende Technik stimmen, kann man am Tag X die beste Leistung abrufen. Kleinste Fehler können mehrere Meter ausmachen, das macht alles sehr spannend.

 

Du hast 2016 Deine Karriere beendet. Wie geht es Dir seitdem und war das ein schwerer Schritt für Dich?

Mir geht es sehr gut. Die Entscheidung, nach 2016 meine Karriere zu beenden, stand schon zwei Jahre vorher fest. Ich finde, mit 30 kann man mal ins normale Leben einsteigen, und das habe ich dann auch getan. Und diese Entscheidung bereue ich nicht.

 

Du hast parallel zu Deiner Karriere als Sportlerin Humanmedizin studiert. Das war sicherlich nicht immer einfach, beides unter einen Hut zu bringen oder?

Das ist richtig, das war nicht immer einfach. Aber ich bin absolut froh, dass ich das so durchgezogen habe. So habe ich jetzt einen Job, in dem ich voll aufgehe und wo ich eine nächste große Aufgabe nach dem Leistungssport habe.

 

Konntest Du von Deinem Sport leben oder war es mehr ein teures Hobby für Dich?

Zunächst war es sehr lange Zeit ein teures Hobby, welches meine Eltern in erster Linie finanziert haben.
Nach dem Europameistertitel 2010 hat sich das geändert
, danach konnte ich für die Leistungssport-Zeit davon leben. Meinen Lebensunterhalt verdiene ich aber in meinem Job als Ärztin.

 

Was ist Dein größter sportlicher Erfolg und was waren Deine schönsten Momente als Sportlerin?

Der tollste Moment in meiner Karriere war die Siegerehrung bei den Olympischen Spielen in London. Das war wirklich sehr emotional.
Der EM-Titel 2010 war so überraschend, dass ich das damals nicht so einordnen konnte. Worauf ich inzwischen sehr stolz bin, ist, dass ich bei der EM 2016 in Amsterdam mit dem Rücken zu Wand im letzten Versuch eine super Weite rausgehauen habe und somit Zweite geworden bin. Da habe ich eine große mentale Stärke bewiesen.

 

Welche Ziele verfolgst Du momentan nach Deiner sportlichen Karriere?

Ich schreibe aktuell an meiner Doktorarbeit, die möchte ich endlich fertig bekommen - was neben einem anspruchsvollen Vollzeitjob gar nicht so einfach ist.
In 3 Jahren bin ich soweit, dass ich meinen Facharzt für Urologie machen kann - den werde ich sicher im Klinikum in Leverkusen machen, dort wurde ich schon während der Leistungssport-Zeit sehr unterstützt.

 

Du hast sicherlich immer sehr intensiv und oft trainiert. Machst Du denn noch regelmäßig Sport und wie trainierst Du momentan?

Ich gehe regelmäßig zum Sport, natürlich schon angepasst an die Arbeitsbelastung. Zwei bis dreimal die Woche schaffe ich es schon - wenn ich eine Woche keinen Sport mache, fühle ich mich auch nicht wohl. Allerdings habe ich keine Lust auf Krafttraining, so wie früher-  ich mache eher ein bisschen Ausdauer- und Figurtraining.

 

Hattest Du Lieblings- oder Hassübungen?

Ich habe früher echt gerne Krafttraining gemacht, das war sehr anstrengend, aber ich wusste ja auch, dass es was bringt… Da hat man die Fortschritte schnell gesehen. Was ich hingegen gar nicht gerne gemacht habe, waren Stabi-Übungen. In der Gruppe war es immer lustig, aber die Übungen haben nicht so viel Spaß gemacht. Witzigerweise ist es inzwischen genau umgekehrt, Stabi mache ich freiwillig und eine Langhantel fasse ich kaum noch an.

 

Wie hast Du es geschafft, Dich immer wieder zu motivieren?

Ich wusste, dass im Sommer derjenige gut wirft, der im Winter die wenigsten Übungen weggelassen hat und am besten gearbeitet hat. Und wer im Sommer gut wirft, kann die Wettkämpfe genießen und dann macht es auch Spaß. Und alle Leistungssportler sind verrückt nach Erfolg - den bekommt man nur, wenn man 120% gibt.

 

Hast Du ein Vorbild? (Wenn ja, wen und warum)

Ich habe kein direktes Vorbild. Früher fand ich Serena Williams als Tennisspielerin toll. Insgesamt finde ich es aber am Sport so interessant, dass man unglaublich viele verschiedene Menschen und Persönlichkeiten aus allen möglichen Bereichen kennenlernt, ich bewundere bei jedem unterschiedliche Eigenschaften und Charakterzüge.

 

Welchen Stellenwert nimmt Deine Ernährung momentan ein? Hat sich bei Deiner Ernährung etwas geändert?

Das Schlimmste ist, dass der Hunger gleich geblieben ist, ich aber nur noch die Hälfte an Kalorien pro Tag verbrauche 😊  Es hat sich auf jeden Fall geändert, dass ich weniger Fleisch esse, und das, ohne dass ich es mir bewusst vorgenommen habe. Ich habe darauf einfach nicht mehr so großen Hunger. Und ehrlichgesagt auch keine Zeit, das zuzubereiten. Auf der Arbeit esse ich immer nur zwischendurch, da müssen Brote, Quark und Paprika herhalten. Insgesamt habe ich aber seit Karriereende fast 10 Kg abgenommen.

 

Was hast Du beim Sport immer dabei?
Deine „Sport-Essentials“ - z.B. Lieblingsschuhe, Kopfhörer, ein Riegel, Getränk etc.

Also früher brauchte ich immer Musik um auf Touren zu kommen, damit konnte ich die größte Lustlosigkeit besiegen und in Motivation umwandeln, da war meine Playlist auch immer exakt vorbereitet. Inzwischen genieße ich auch mal die Ruhe beim Sport. Ich freue mich aber oft, aus meiner großen Sammlung an Sportklamotten auszuwählen, wenn ich zum Training gehe. Ich habe da noch ein paar Laufjacken, die ich toll finde, wo aber bisher meine Arme nicht reinpassten….

 

Was würdest Du einem Anfänger, der gerne Leichtathletik bzw. Speerwurf ausprobieren möchte, mit auf den Weg geben?

Viele stellen sich vor, dass Speerwerfen nur aus Werfen besteht, das ist aber ganz und gar nicht so.
Einfach ausprobieren und gucken, ob werfen einem Spaß macht. Wenn der Speer sich die ersten 100 Würfe immer in die falsche Richtung dreht, nicht verzagen, so haben wir alle angefangen!


VIELEN DANK LINDA FÜR DIESES TOLLE & SYMPATHISCHE INTERVIEW UND DEN EINBLICK IN DEINE LEIDENSCHAFT, DAS SPEERWERFEN!

Folge Linda auf jeden Fall auf Facebook, sodass Du immer auf dem neusten Stand bist! 😊

Wir wünschen ihr weiterhin viel Erfolg für ihre Karriere als Ärztin!

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