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Tipps, Tricks und Erfahrungswerte

Profi- vs. Freizeitsportler - Wo liegen die Unterschiede? - Teil 1

Björn Jansen

Juni 8, 2017

Bodybuilding Poli Polionstage

Im World Wide Web gibt es unzählige Sport und Fitness Videos,  Fotos und Tutorials.
Professionelle Sportler und Athleten teilen ihr Fachwissen. Amateure und Einsteiger ihre ersten Erfahrungen und Fortschritte.
Viele sind motivierend. Viele sind sogar lehrreich. Einige sind aber auch total sinnlos (aber das ist ein anderes Thema).

Wir haben uns gefragt, was man von den Videos lernen kann und dazu mit unserem Partner, Poli Moutevelidis, gesprochen.
Schnell sind wir dabei zu einer ganz anderen aber entscheidenden Fragen gekommen: "Profi- vs. Freizeitsportler - Wo liegen da eigentlich die Unterschiede?"

Im ersten Teil wollen wir euch heute die ersten entscheidenden Faktoren vorstellen:

  • Die falsche Trainingsstrategie - eine sportliche Sackgasse
  • Der Faktor Zeit
  • Die Unterschiede im Krafttraining
  • Ernährung im Leistungssport

 

Seit 24 Jahren sehe ich Fitness-Sportler in Fitness-Studios herumrennen, die nicht nach Krafttraining aussehen, aber Trainingspläne von Profibodybuildern zu absolvieren versuchen.
Zumindest bis diese Sportler dann nach einigen Wochen aufgeben und dem Fitness-Sport im schlimmsten Falle den Rücken kehren.

Warum diese Diskrepanz besteht und weshalb sich viele Hobbysportler mit den Strategien des Profisports maßlos überschätzen und sich damit in die Sackgasse manövrieren, möchte ich im folgenden Artikel näher beleuchten. 

Auch nach mehr als 2 Jahrzehnten im Fitness- und Kraftsport, ließ mich eine Frage nie los:
Wieso scheitern mehr als 90 Prozent, aller Fitness-Sportlern daran ihre sportlichen Ziele letztlich zu erreichen? 

Um diesem Wert auf den Grund zu gehen, muss man vielleicht einfach einmal hinter die Kulissen sehen, als die blanken Zahlen wirken zu lassen.
Das grundlegendste Problem, was bei den meisten Kandidaten besteht, unabhängig welches Ziel sie verfolgen, ist, dass sie einfach keine Zeit haben um ihrem Körper die nötigen Ansatzpunkte zu liefern.
Egal ob es um die Fettreduktion geht, um Muskelaufbau, oder auch um Kraftsteigerung: der Körper benötigt nicht nur die Zeit der Anpassung, sondern auch die Nährstoffe, die Erholung und muss außerdem auch die genetischen Voraussetzungen mitbringen.

Wenn es Dein Ziel ist, maximale Muskelmasse aufzubauen und Deinen Körper von 80 Kilogramm mit sagen wir mal 15 Prozent Körperfettanteil auf 90 Kilogramm bei gleichbleibendem Fettgehalt zu bringen, dann wirst Du das nicht über Nacht schaffen. 

Leider aber, verstehen das unzählige Fitnessanfänger nicht und katapultieren sich komplett und in nahezu Lichtgeschwindigkeit ins Aus und geben dann auf. "Es hat ja nichts gebracht und die Erfolge blieben aus."
Oder Frau denkt "Ich will abnehmen und auf keinen Fall Muskeln aufbauen." 

In beiden Fällen stehe ich oft vor dem Sportler, wie der Berg der zum Propheten kommt, auch wenn der Prophet zum Berg kommen müsste.
Und ich rede mir seit 24 Jahren den Mund bei dieser Fitness-Zielgruppe fusselig, denn Fakt ist: es passiert nichts über Nacht und gut Ding braucht Weile.


Die Trainingsstrategie in die sportliche Sackgasse

Das Hauptproblem, weshalb nur 6 Prozent überhaupt nachhaltig und langfristig erfolgreich sind und bleiben, liegt an falschen Idealen, unrealistischen Zielen und grenzenlos überschätzter körperlicher Veranlagungen

Früher kamen die Sportler, vornehmlich die Männer der Schöpfung, mit Trainingsplänen auf Bodybuilding-Magazinen zum Fitness-Studio und quälten sich stundenlang durch Trainingspläne welche ursprünglich für Profi-Bodybuilder erstellt wurden. Problematisch an der Sache ist jedoch, dass die Trainingsstrategie, die Intensität und der Tagesablauf eines Profibodybuilders nichts mit dem des Hobbysportlers gemeinsam hat.

Heute kommen die Jungs und Mädels immer noch mit Plänen von Profisportlern ins Studio, nun eben mehr von Youtube und Facebook Idolen.
Auch wenn sich das Medium geändert hat, gilt das meist nicht für die Ergebnisse, denn die Sportler überschätzen sich leider immer noch und kommen dabei sportlich gesehen nicht auf einen grünen Zweig.

Was gibt es also für Dich zu wissen?

Trocken gesagt: Wenn Du mit vielleicht 3 Trainingsjahren oder weniger eine Trainings- und Ernährungsstrategie der Miss Fitness America, oder eines Mister Olympia verfolgst, dann wirst Du kläglich versagen. :(
Es gibt für Dich dann kein Licht am Ende des Tunnels, sondern nur eine erfolglose Durststrecke, bis Du lernst Deine eigenen individuellen Strategien zu entwickeln.
Und damit Du den Unterschied erkennst, möchte ich noch etwas weiter ausholen und die Hauptmerkmale eines Leistungssportlers im Vergleich zum Hobbysportler deutlich machen.


Der Profi- und Leistungssportler muss seine Leistung 24/7 abrufen können

Ich selbst stand knapp 10 Jahre als leistungssportlich engagierter Figurbodybuilder auf nationalen und internationalen Wettkampfbühnen.
Meine Strategie zur damaligen Zeit unterscheidet sich massiv von meiner heutigen Trainings- und Ernährungsplanung.
Damals musste ich rund um die Uhr Top-Leistung abrufen können, ich musste auf den Punkt in Topform sein und in formvollendeten Makrozyklen das Krafttraining mit maximalen Krafteinsätzen, der Hypertrohpie und des Kraftausdauertrainings taggenau planen. Unterstützt von einer exakte Planung der Ernährung, die sich auch in Offseason und Wettkampfvorbereitung unterschied und dies zum Beispiel anhand der Kalorien wiederspiegelte.

Damals ging es mir darum der beste Figurbodybuilder der Welt zu werden und dies zu bleiben und entsprechend unterschied sich mein gesamtes Leben von meinem heutigen Sportlerleben in mindestens 5 ausschlaggebenden Hauptkriterien. 

Faktor Nr. 1:
Der Zeitfaktor im Leistungssport 

Wenn Du Dir die Trainingspläne der Profisportler damals wie heute anschaust, dann fällt Dir sicherlich auf, dass diese Pläne für nahezu jeden Tag der Woche mehrere Trainingseinheiten am Tag vorsehen.

Du musst Dir das so vorstellen: Du fährst jeden Morgen ins Büro und arbeitest Deine normalen 8 Stunden. Wenn Du dann Abends nach der Arbeit noch ins Fitness-Studio fährst und Deine Trainingseinheit absolvierst, hat der Profisportler schon seinen Arbeitstag abgeschlossen.
Denn sein Büro ist der Kraftraum und seine Mittagspause ist die Pause zwischen der 1. und 2. Trainingseinheit am Tag. Jeden Tag.
Dein freier Sonntag, ist der "trainingsfreie" Tag mit aktiver Erholung für den Profisportler.
Denkst Du in allem Ernst, Du könntest eine solche Trainingsplanung zeitlich mit Deinem 40-Stunden Job in Einklang bringen? 

Ein Profibodybuilder (damals wie heute) trainiert in der Regel mindestens 2 mal pro Tag für 2 bis vielleicht maximal 3 Stunden pro Trainingseinheit.
Was pro Tag eine Netto-Trainingszeit von bis zu 6 Stunden ausmachen könnte, also nahezu die Zeit, die Du im Büro verbracht und Deinen Arbeitstag absolviert hast.

Zu meiner aktiven Zeit als Figurathlet standen für mich auch zwischen 1 bis 2 Trainingseinheiten pro Tag an, je nachdem ob ich mich in der Offseason, oder der Wettkampfvorbereitung befand.
Im Schnitt waren das bei mir an die 28 Trainingsstunden pro Woche.
Damals habe ich bereits hauptberuflich in der Fitnessbranche gearbeitet, sonst wäre selbst für mich die Trainingszeit und Einteilung der einzelnen Einheiten nicht realisierbar gewesen. 

Tipp zum richtigen Trainingsplan:
Nimm Deine eigenen Trainingszeiten auf und schau mal, wie viele Stunden Trainings-Einsatz Du pro Woche realisieren kannst, mit dem Du Deinen Job und Deine Familie in Einklang bringen kannst.
Dies wird vermutlich in den meisten Fällen der erste Grund sein sich gegen den Trainingsplan eines Profis zu entscheiden.

Faktor Nr. 2:
Die Unterschiede im Krafttraining

Viele der heutigen Fitness-Sportler sind sozusagen übertrainiert, was natürlich an der Tatsache herrührt, dass sie sich die falschen Pläne ausgesucht haben, statt sich an ihre individuellen Veranlagungen zu halten und ein Training passgenau für die eigenen Ziele festzulegen.
Ich finde im Netz unzählige Pläne, die eins gemeinsam haben: die Pläne sollen mit maximaler Leistungsbereitschaft absolviert werden, und das teils über Monate.

Du hast jetzt gesehen, wie viele Stunden der Leistungs- und Profisportler wöchentlich alleine für das Training aufbringt. Jetzt musst Du diese Zeit noch in Einklang damit bringen, dass der Profiathlet nicht nur weit länger trainiert als der Hobbysportler, sondern auch in jedem Training das individuelle Leistungsniveau komplett ausschöpfen muss.
Denkst Du, dass Du nach einem 8 Stunden Arbeitstag noch genau so leistungsfähig sein kannst, wie ein Profisportler, dessen Job es ist die Leistung nicht im Büro, sondern im Kraftraum abzurufen?
Vermutlich nicht.

Als Hobbysportler bringst Du vieles unter einen Hut.
Deine Familie, für die Du Zeit haben möchtest und deren Bedürfnisse erfüllt sein wollen.
Dein Job der Dir vieles abverlangt, weil Du damit das Geld verdienst.
Außerdem sind Dir auch Deine Freunde wichtig.
Alles in allem bist Du also schon gut ausgelastet, wenn Du mal genau hinsiehst.

Daher gilt hier, das Training an die eigenen Möglichkeiten anzupassen.

Ich habe damals 6 mal die Woche bei 110 Prozent trainiert, dazu kam alle 3 Monate eine ganze Woche strategischer De-Konditionierung, damit ich weitere 3 Monate mit Volldampf trainieren konnte und ich das Verletzungsrisiko möglichst gering halten konnte. 

Vergleich Dich beim Trainingsniveau nicht mit einem Weltklasse-Gewichtheber.
Die Gewichte zu heben ist sein Job, sein Leistungsniveau ist ein radikal anderes als Deines, weil seine ganze Energie auf seine beruflichen Ziele abgestimmt ist, die schwersten Gewichte der Welt zu heben.

Faktor Nr. 3:
Ernährung im Leistungssport

Das alte Thema der Ernährung ist auch vermutlich so alt, wie der sportliche Wettstreit seit der ersten Olympiade selbst.
Immer wieder zum Haare raufen, schaue ich die Ernährungsstrategien und Planungen von Fitness-Sportlern an, die eigentlich für Wettkämpfer ausgelegt sind und nichts mit den eigenen Zielen der Sportler zu tun haben. Der sportliche Gedanke in allen Ehren, aber sich ernährungstechnisch mit einem Profiathleten zu vergleichen ist schon fast wieder komisch. 

Ein Profibodybuilder mit einer Körpermasse von je nachdem 130 und mehr Kilogramm, versorgt den Körper in der Offseason nicht selten mit an die 8000 Kalorien.

8000 Kalorien wären an die 3 Kilo Fleisch und das jeden Tag.
Das bekommt selbst der Profiathlet daher selten mit normaler Nahrung ohne sinnvolle Nahrungsergänzung hin.
Wieso denken dann manche Hobbysportler, dass 8000 Kalorien zielführend wären?
Denn genau solche Pläne schaue ich mir nicht selten an und kann da nur mit dem Kopf schütteln.
Das blanke Gegenteil gibt es natürlich ebenfalls, wenn die Miss America ihren Wettkampf-Ernährungsplan zum besten gibt, eifern die jungen Mädels ihr natürlich gerne nach und hungern sich in die Sackgasse.

Nicht nur, dass auch die Ernährung einen enormen Zeitfaktor in Anspruch nimmt, ich habe damals mindestens 10 Stunden pro Woche alleine mit der Vorbereitung verbracht.
Deshalb haben manche Profiathleten auch Betreuer und natürlich Trainer, die alles vorbereiten und kontrollieren. 

Meine damalige Wettkampfdiät war aus heutiger Sicht recht einseitig, aber maximal zielführend, dazu kam natürlich, dass ich in aller Regel nur 3 bis 4 Monate diese Ernährungsstrategie beibehalten habe. Ein noch wichtigerer Aspekt dabei: alle Parameter drumherum waren darauf eingestellt.

Denkst Du, dass Du mit täglichen 8000 Kalorien im Büro leistungsfähig wärst und zusätzlich entsprechende Leistung beim Training abrufen kannst?
Oder denkst Du, die Wettkampfdiät der Miss Fitness passt zu Deinen persönlichen Zielen?
Ärzte, Trainer und Betreuer kontrollieren die Ernährung der Profiathleten, Du selbst riskierst dabei eher gesundheitliche Schäden.
Setz solche Pläne also bitte nicht ohne zu hinterfragen einfach in Deine Ernährungsstrategie ein.

 

>> Weiterlesen kannst Du im Teil 2 >> 


 

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